Foto: JU_OSTKREUZ


Förderprojekt Spielzeit 2014/15

Pfisters Mühle gilt als der erste Umweltroman der deutschen Literatur. Wilhelm Raabe schrieb ihn 1884 in Braunschweig. Von dort reichen die Spuren des Romans bis nach Stuttgart, wo Wilhelm Raabe von 1862 bis 1870 lebte. Das Neckarufer zwischen Esslingen und Bad Cannstatt war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der Hauptschauplätze industrieller Beschleunigung geworden: Eisenbahntrassen, Maschinen- und Motorenfabriken schossen aus dem Boden und gaben dem Flussabschnitt, den die Romantiker wenige Jahre zuvor noch als „freundlichsten von ganz Schwaben“ gerühmt hatten, binnen weniger Jahrzehnte ein neues Gesicht.

Dieser Zeitsprung vom vorindustriellen Deutschland in die Moderne vollzieht sich in Wilhelm Raabes Roman auf der Mühle von Vater Pfister. Das einst „helle Mühlwasser“ des stadtbekannten Ausflugslokals beginnt nach Schwefel und Verwesung zu riechen, Schwärme von Fischen treiben bauchaufwärts die schlammige Kloake hinab. Verursacher der Verseuchung ist eine Zuckerfabrik, die wenige Kilometer flussaufwärts ihren Betrieb aufgenommen hat. Als die Gäste aus- und die Mühlwerke stehenbleiben, zieht Vater Pfister in den Kampf. Doch alle Anstrengung bleibt vergebens: Aus den Mitstreitern werden Unternehmer und Aktionäre. Der alte Müller stirbt; den Fluss, die Mühle und „das alte romantische Land“ holt sich die neue Zeit.
Armin Petras inszenierte im Februar 2014 mit Das kalte Herz von Wilhelm Hauff einen Stoff über den Frühkapitalismus in der Region. Die Bühnenadaption des Romans Pfisters Mühle verlängert diese Fragestellung von der deutschen Romantik in die Gründerzeit. Auch seine Zusammenarbeit mit anderen Kunstsparten setzt Armin Petras mit dieser Inszenierung fort: für Musik und Bühne zeichnet der Bildende Künstler Martin Eder verantwortlich.
Text: Schauspiel Stuttgart

Das Bühnenbild konnte mit Hilfe der Unterstützung durch den Förderverein realisiert werden.

Weitere Informationen unter: http://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/pfisters-muehle/

Premiere: 15. November 2014
Ort: Schauspielhaus

Regie: Armin Petras
Bühne / Musik: Martin Eder
Kostüme: Dinah Ehm
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Bernd Isele