Foto: Christoph Kalscheuer


Förderprojekt Spielzeit 2014/15

Der Dramatiker Martin Crimp und der Komponist George Benjamin erzählen die berühmte Sage des Rattenfängers von Hameln in einer 2006 entstandenen hoch expressiven Oper für fünfzehn Musiker und zwei Sängerinnen, welche sämtliche Rollen verkörpern, vom geheimnisvoll dunklen Rattenfänger über die vom Erfolg besessenen Ministerfamilie bis zur rattenhassenden Volksmasse.  Nicht nur wenn das Kind des Ministers darauf beharrt, Ratten mit Hüten und Mänteln aus der Stadt ausziehen zu sehen, zieht die Oper weitere Kreise um die historisch nie geklärten Gründe für das Verschwinden von hundertdreißig Kindern aus der norddeutschen Stadt Hameln im 13. Jahrhundert, das bald auf Heimatflucht einer perspektivenlosen Jugend, bald auf Kinderkreuzzüge zurückgeführt wurde.


George Benjamin gehört zu den renommiertesten zeitgenössischen Komponisten unserer Zeit, Martin Crimps Theaterstücke gehören auch in Deutschland seit Jahren zu den aufregendsten und meist gespielten. Die Zusammenarbeit der beiden führte zu einer knapp formulierten Neuerzählung der Geschichte vom Rattenfänger von Hameln in acht Szenen, jede minutiös geplant und kompromisslos ausdrucksstark. Unentrinnbar der Sog der Bassflöte, hart und berührend das aufgeregte, unverblümt bohrend fragende Kind, fordernd die Volksmasse, unheimlich knisternd die Ratten, die an den Elektrokabel zu nagen scheinen. Mit dem fünfzehnköpfigen Ensemble, das von der Bassflöte, zwei Bassetthörnern, einem Banjo und einem Zymbal geprägt wird, erschafft Benjamin orchestral anmutende eigenartige Klangwelten, mit welchen die Figuren der Geschichte konfrontiert werden.

Die Regisseurin Jenke Nordalm, welche für die Junge Oper Stuttgart bereits das Generationsstück „Irgendwie Anders“ inszeniert hat, wird für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene die politische und psychologische Sprengkraft der alten Geschichte durchleuchten und die Schuldfrage neu stellen: Warum verschwinden über Nacht alle Kinder aus der kleinen Stadt am weißen Hügel?
Neben den beiden Nachwuchssängerinnen Marie-Pierre Roy (Sopran, Opernschule, Musikhochschule Stuttgart) und Nadia Steinhardt (tiefer Mezzosopran, abgeschlossenes Master-Studium bis 2013 Akademie für Musik und Theater, München) und einer Schauspielerin, die im Prolog das alte Märchen vom Rattenfänger erzählt, werden auch zehn Kinder auf der Bühne sein. Als kleine Ratten -  oder sind es fragende, staunende, urteilende Kinder? – sprengen auf unberechenbare Art und Weise die krampfhaft von den verschiedenen Mächten behauptete Weltsicht.
Text: Junge Oper


Weitere Informationen unter:
http://www.oper-stuttgart.de/spielplan/hill/


Oper ab 14 Jahren
Lyrische Erzählung in zwei Teilen
Musik: George Benjamin
Text: Martin Crimp

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 11. Juni 2015
Ort: Kammertheater

Musikalische Leitung: Nicholas Kok
Regie: Jenke Nordalm
Ausstattung: Vesna Hiltmann
Dramaturgie: Barbara Tacchini
Choreografische Mitarbeit: Christine Chu